Schwirrender Punkt

Faszination im Verborgenen: Das Kunstwerk "Schwirrender Punkt" von Stefan Alber

Im Sozialwissenschaftlichen Gymnasium und Kunstgymnasium in Bruneck wurde am 13. Oktober ein außergewöhnliches Kunstwerk vorgestellt, das die Betrachtenden dazu einlädt, das Alltägliche mit anderen Augen zu sehen. Das Werk mit dem Titel "Schwirrender Punkt.." vom Künstler Stefan Alber wurde von der Raiffeisenkasse Bruneck im Rahmen der 7. Ausgabe des Projektes „Kunstorte“ gestiftet.

„Kunstorte“ ist ein Kunstprogramm, das 2008 zur aktiven Interaktion zwischen zeitgenössischer Kunst und Bildungseinrichtungen von Lisa Trockner für die Raiffeisenkasse Bruneck entwickelt wurde. Der Anspruch ist ein intensiver Austausch zwischen Künstlern, Lehrkräften und Schülern. Der Ort, die Architektur selbst, dient zudem als Inspiration für die Kunst.

Die künstlerische Arbeit von Stefan Alber zeichnet sich durch die Verstärkung des Alltäglichen, das Infragestellen etablierter Sichtweisen und einem einzigartigen, spielerischen Zugang aus. Aufgewachsen in Bruneck (*1981), studiert er an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg und der China Academy of Art in Hangzhou. Seit 2009 lebt und arbeitet er in Berlin. In seinen Werken nutzt er verschiedene Medien wie Fotografie, Skulptur und Architektur. Seine künstlerische Praxis wird von vier Aspekten dominiert, die sich aus der Beschäftigung mit der Architektur des Ortes, mit der Kunstlehre und mit der Vermittlung von Kunst- und Kulturgeschichte ergeben. Auch in diesem für das Kunstgymnasium Bruneck geschaffenen Werk sind diese Schwerpunkte lesbar.

"Schwirrender Punkt.." ist eine pointierte Arbeit subtiler Kunst. In einer komplexen technischen Umsetzung integriert Alber einen kleinen dunklen Körper in eine, der vor Ort in den Gängen hängenden Kugellampen. Dieser Punkt innerhalb einer dieser Designklassikers wird durch die Bewegung der Passanten aktiviert und erzeugt den visuellen Eindruck einer surrenden gefangenen Fliege. Der entscheidende Twist: Das Kunstwerk ist nur den aufmerksamen Beobachtern vorbehalten. Auf den ersten Blick mag es wie eine gewöhnliche Fliege erscheinen, die in der leuchtenden Lampe gefangen ist, doch je länger man hinschaut, desto intensiver ist das Überraschungsmoment: Stefan Alber verwandelt das Banale in Bedeutsames und zeigt, wie ein winziges Detail die Sicht auf die Dinge verändern kann.

„Im Kunstkontext wird die helle Kugel zum Ausstellungsraum, zum, eben nicht White Cube, sondern White Globe. Diese intellektuelle Betrachtung vermischt sich auf kuriose Weise mit der darin gefangenen Fliege, die in diesem semitransparenten Goldfischglas unter natürlichen Bedingungen nicht lange überleben würde.“, so Alber selbst.

Die Stubenfliege ist in der Kunstgeschichte ein oft zitiertes und wiederkehrendes Element. Sie ist Symbol für Bewegung und Zeit, steht für künstlerischen Fortschritt, aber auch für Sünde, Vergänglichkeit und Veränderung.

Alles beginnt mit einem Punkt. Der Punkt steht für einen Anfang. Innerhalb der Schulmauern erinnert der bewegte Punkt an das Punktesammeln innerhalb des Notensystems. Der schwirrende Punkt von Alber hat am Ende zwei Punkte, setzt man einen dritten dazu, steht dieser für ein offenes Ende.

Alber schafft hier ein winziges Werk mit großer Wirkung, das aus unzähligen Sichtpunkten beleuchtet werden kann und es vermag die Fantasie der Betrachtenden in Schwingung zu versetzten.

Kunstwerkübergabe
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